Man möge das bitte nicht falsch verstehen – das Medienmaul führt hier sicher keinen Feldzug (oder auch Feldzügchen) gegen Agenturen und deren Dienstleistungen. Aber ganz vorne auf meiner Fahne steht es, den Kunden nicht zu veräppeln und ihm nicht für Däumchendrehen Geld abzunehmen. Kommen wir also zur Sache: dem “Social Media Newsroom”.
Bisher war das Prinzip ganz banal: die meisten Webseiten bieten irgendwo einen Bereich “News” und/ oder einen Bereich “Presse”. Manche packen das sogar zusammen auf eine Seite, was sicherlich auch ausreichend ist. Das ist nicht weiter spannend und auch kaum wichtig, aber auf diesen Seiten können sich Nutzer, Journalisten und sonstige Presseleute kurz und gebündelt Infos und Material zu den aktuellen Geschehnissen eines Unternehmens und deren Kommunikation besorgen.
Jetzt sind viele Dienstleister ja pfiffig: um ihr Portfolio ein wenig aufzustocken und dem Kunden den ein oder anderen Taler mehr aus der Hosentasche zu leiern, lässt man sich schon mal was einfallen und in Zeiten der webzwonulligen Internet-Philosophie lässt sich eben dieser Bereich ganz einfach ausfindig machen: Nachdem man den Kunden ja inzwischen schon eine mehr oder weniger attraktive Tätigkeit im “Social Media Marketing” verkauft hat und für diesen nun Flickr, Facebook und das StudiVZ mit Mitarbeiterfotos füttert, Unternehmensvideos bei Youtube hochlädt oder Blogbeiträge bei Twitter ankündigt, muss man das Ganze jetzt auch irgendwie noch weiter monetarisieren können.
Man sucht sich also die entsprechenden Embed-Codes der genannten Social Media Kanäle zusammen (falls das nicht diverse Plugins des verwendeten CMS schon tun), fügt die bisherigen News aus diesem CMS hinzu, lässt es alles hübsch webzwonullig aussehen – und schon haben die Agenturen eine neue, selbsterdachte Dienstleistung in ihrem Portfolio: den “Social Media Newsroom” (Beispiel: Newsroom der direct line). Großes Argument an den Kunden: “Ihr seid up to date UND tut damit noch was für Euer Google-Ranking!”
Ich sage nicht, dass so eine Seite sinnlos wäre. Sie sehen meist hübsch aus, bieten tatsächlich viele mehr oder weniger spannende und sinnvolle Inhalte und bieten hier allen Endnutzern einen echten Mehrwert durch die Zusammenführung aller Präsenzen im Social Web. ABER: die Erstellung solcher Seiten ist völlig normale Kundenbetreuung, etwas Arbeit für Programmierer und gegebenenfalls für einen Screendesigner – so wie es fast immer der Fall ist. Dafür muss man sicher keinen neuen Punkt im Portfolio ergänzen, nur um mal wieder mehr Schein als Sein zu produzieren und die Kunden da draußen, die sowieso schon das Vertrauen in Agenturen verlieren, noch mehr verunsichern. Schön gehypt wird der Spaß dann noch, wenn man bei Facebook sogar eine “Social Media Newsroom Lobby” ins Leben ruft, die dem ganzen die Krone aufsetzt:
Nun, sicherlich gibt es hier eine Menge hübscher Beispiele für gelungene Umsetzungen. Aber meine Meinung an dieser Stelle: etwas weniger hoch stapeln, das ist nämlich kein Hexenwerk und auch kein neues “In-Thema” in der Online-Welt. Danke dafür.
Eben noch wütet der Mob gegen Facebook, wo man sich – natürlich ohne zu fragen – nach Lust und Laune an der Privatsphäre der Nutzer bedient, wo man die AGB nach Tages-Gusto verändert und die Mitglieder der Community einfach so vor vollendete Tatsachen stellt, da zieht ausgerechnet das Vorzeige-Unternehmen der zwonulligen Nerd-Gemeinde eiskalt nach: laut t3n hat man also bei Apple entschieden: wir sammeln jetzt einfach mal Eure Nutzerdaten, lassen Euch beim nächsten Update ein Häkchen setzen und – *schwupps* – geben diese Daten dann auch direkt mal an Drittanbieter weiter.
Laut t3n-Bericht begründet man diese Entscheidung damit, dass insbesondere Services wie Foursquare, Gowalla & Co., diese Daten für ihre Dienste benötigen – warum man die Daten dann nicht weiterhin, so wie bisher, manuell freigeben kann (oder eben nicht), das bleibt mir persönlich jetzt schleierhaft.
Das große Dilemma: ist der Nutzer NICHT damit einverstanden, dann wird er die AGB nicht akzeptieren. Und ohne diese kann er auch kein iTunes-Update erstellen. So zwingt Apple mal wieder seine Kunden in die Rolle des entscheidungsbefreiten Ja-Sagers, denn lediglich auf den Endgeräten selbst lassen sich nachträglich entsprechende Einstellungen abändern (Einstellungen > Allgemein > Location Services).
Im Text heißt es weiterhin:
“Die LA Times vermutet den Grund dafür in der neuen Mobile Ads Plattform iAds. Das am Montag gestartete Programm beinhaltet auch die Integration von lokalisierten Angeboten spezieller Werbepartner. Das könnte beispielsweise ein Rabatt-Coupon sein, der in einer Filiale in unmittelbarer Nähe des augenblicklichen Standorts des iPhone-Nutzers einzulösen ist.”
Ich mache ja grundsätzlich keinen großen Hehl daraus, dass ich trotz meines Jobs als Online-Marketeer nur wenig, wenn nicht sogar nahezu nichts vom Thema “Suchmaschinen-Optimierung” halte (alleine das Wort muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen!). Ich halte dieses Umfeld für einen – ich fasse es mal kurz – aufgeblasenen Ballon der überflüssigsten Geldeinahmequellen von Agenturen oder sonstigen Dienstleistern, die sich an solchen Kunden bereichern, denen weder Marketing selbst, noch die Marketing-Kommunikation als Fachbereich bekannt sind, egal ob “black” oder “white” oder von mir aus auch in Regenbogenfarben.
Besonders der überaus “attraktive” Teilbereich des “Backlink-Buildings”, der mitunter ja schon mal dem ein oder anderen Studenten sein Studium finanzieren kann, gehört zu dieser Farce der – ich schreibe es nur sehr ungern – Dienstleistung. Nun, es funktioniert offensichtlich trotzdem – und solange aus welchen Gründen auch immer eine Nachfrage vorhanden ist und das Angebot dem entgegen kommt, möchte ich mich gar nicht weiter darüber auslassen.
Hier haben wir allerdings mal wieder ein wunderschönes Beispiel dafür, wie die ganz dunkle Seite der Macht aussehen kann, wenn man eben nicht aus der Online-Branche kommt und als argloser Bürger auf die scharfe Schneide von Justizia’s Schwert prallt… Da kann es schon mal passieren, dass man ein paar Tausender berappen kann, weil man mit gutem Gewissen anderen Menschen einen Mehrwert bieten wollte (in so goldenen wirtschaftlichen Zeiten des ungebremsten Aufschwungs für unsere Mitbürger natürlich nur von sekundärer Bedeutung…) Schauen wir also selbst:
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