Social Media Newsroom – wasn ditte?
Datum: June 23rd, 2010 | von: medienmaul | Kategorie: Gedanken, Medien, Social Media | Keine Kommentare »Man möge das bitte nicht falsch verstehen – das Medienmaul führt hier sicher keinen Feldzug (oder auch Feldzügchen) gegen Agenturen und deren Dienstleistungen. Aber ganz vorne auf meiner Fahne steht es, den Kunden nicht zu veräppeln und ihm nicht für Däumchendrehen Geld abzunehmen. Kommen wir also zur Sache: dem “Social Media Newsroom”.
Bisher war das Prinzip ganz banal: die meisten Webseiten bieten irgendwo einen Bereich “News” und/ oder einen Bereich “Presse”. Manche packen das sogar zusammen auf eine Seite, was sicherlich auch ausreichend ist. Das ist nicht weiter spannend und auch kaum wichtig, aber auf diesen Seiten können sich Nutzer, Journalisten und sonstige Presseleute kurz und gebündelt Infos und Material zu den aktuellen Geschehnissen eines Unternehmens und deren Kommunikation besorgen.
Jetzt sind viele Dienstleister ja pfiffig: um ihr Portfolio ein wenig aufzustocken und dem Kunden den ein oder anderen Taler mehr aus der Hosentasche zu leiern, lässt man sich schon mal was einfallen und in Zeiten der webzwonulligen Internet-Philosophie lässt sich eben dieser Bereich ganz einfach ausfindig machen: Nachdem man den Kunden ja inzwischen schon eine mehr oder weniger attraktive Tätigkeit im “Social Media Marketing” verkauft hat und für diesen nun Flickr, Facebook und das StudiVZ mit Mitarbeiterfotos füttert, Unternehmensvideos bei Youtube hochlädt oder Blogbeiträge bei Twitter ankündigt, muss man das Ganze jetzt auch irgendwie noch weiter monetarisieren können.
Man sucht sich also die entsprechenden Embed-Codes der genannten Social Media Kanäle zusammen (falls das nicht diverse Plugins des verwendeten CMS schon tun), fügt die bisherigen News aus diesem CMS hinzu, lässt es alles hübsch webzwonullig aussehen – und schon haben die Agenturen eine neue, selbsterdachte Dienstleistung in ihrem Portfolio: den “Social Media Newsroom” (Beispiel: Newsroom der direct line). Großes Argument an den Kunden: “Ihr seid up to date UND tut damit noch was für Euer Google-Ranking!”
Ich sage nicht, dass so eine Seite sinnlos wäre. Sie sehen meist hübsch aus, bieten tatsächlich viele mehr oder weniger spannende und sinnvolle Inhalte und bieten hier allen Endnutzern einen echten Mehrwert durch die Zusammenführung aller Präsenzen im Social Web. ABER: die Erstellung solcher Seiten ist völlig normale Kundenbetreuung, etwas Arbeit für Programmierer und gegebenenfalls für einen Screendesigner – so wie es fast immer der Fall ist. Dafür muss man sicher keinen neuen Punkt im Portfolio ergänzen, nur um mal wieder mehr Schein als Sein zu produzieren und die Kunden da draußen, die sowieso schon das Vertrauen in Agenturen verlieren, noch mehr verunsichern. Schön gehypt wird der Spaß dann noch, wenn man bei Facebook sogar eine “Social Media Newsroom Lobby” ins Leben ruft, die dem ganzen die Krone aufsetzt:

Nun, sicherlich gibt es hier eine Menge hübscher Beispiele für gelungene Umsetzungen. Aber meine Meinung an dieser Stelle: etwas weniger hoch stapeln, das ist nämlich kein Hexenwerk und auch kein neues “In-Thema” in der Online-Welt. Danke dafür.
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